für 'Nashorn Nirwana' Interessierte ;-)
Leseproben
Servus, lieber Schnupperleser.
 
Ich versteh Sie vollends: Sie wollen sichergehen, dass NASHORN NIRWANA die richtige Lektüre für Sie ist. Recht haben'S. Weil, man verbringt ja durchaus wertvolle Lebenszeit mit einem Buch, gell!
Gut, die mag zwar nach Leser-Typ variieren - je nachdem, ob Sie im Geparden-Lese-Sprint durch die Geschichte fliegen oder sich ähnlich dem Vor- und Rückwärtsgeschaukel des Wüstenchamäleons durch die Seiten blättern. 
Egal wie Sie's angehen - das bleibt völlig Ihnen überlassen -, auf dieser Seite können'S in die vergnügliche Lesereise durch Namibia reinschnuppern und herausfinden, ob NASHORN NIRWANA und Ihr Lesegeschmack kompatibel sind.
Viel Vergnügen!
Spitzmaulnashorn von NASHORN NIRWANA - Namibia Reiseroman von Claudia du Plessis
PS. Und damit Sie sich die jeweiligen Szenen, die ja mir-nichts-dir-nichts aus dem Buch gegriffen sind, besser vorstellen können, hat der Fritz - unser Erzähler und Hobby-Fotograf - nicht ohne Stolz ein paar seiner Namibia-Fotos miteingestellt!  So, aber jetzt kann's losgehen. 
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Leseprobe 1

Zum ersten Mal 'Staubpiste'

Wir haben kaum das Schild am Ortausgang passiert, da
hört der Asphalt abrupt auf.
„So, Leute, ab jetzt gibt’s erstmal nur mehr Staubpiste“,
kommentiere ich den neuen Bodenbelag.
Befahren tut er sich nicht schlecht, muss ich sagen. Die
weiße, breite Naturfahrbahn aus zermalmtem Kalkge-
stein – so unser Reiseführer – ist wunderbar eben und
verträgt problemlos ein Tempo von fast 100 Stundenki-
lometern. Eine Weile cruisen wir gemütlich dahin, derweil
wir schweigend in die leicht hügelige Landschaft, die sich
endlos in alle Richtungen erstreckt, hinausblicken.
Gerade wie der Hans mit der monotonen Stimme eines
Navis verkündet: „Bei dieser Reisegeschwindigkeit errei-
chen Sie Ihr Ziel in zwei Stunden und zehn Minuten“,
taucht vor uns in der Ferne ein kolossales Gefährt auf.
Wie wir näherkommen, entpuppt sich das Monster als
‚Grader‘ im Dienst – ein sogenannter ‚Straßenhobel‘ –, der
im Schneckentempo vor uns herfahrend die Fahrbahn
präpariert. Ich denke noch: wieso eigentlich, die ist doch
super. Aber wie wir an ihm rechts vorbeiziehen und
danach wieder auf unsere Fahrbahn schwenken, kommt
die Antwort postwendend. Augenblicklich nämlich rüttelt
es den Wagen dermaßen durch, dass sich jeder von uns
schleunigst mit beiden Händen irgendwo festkrallt. Nur
der Paule nicht. Der hat keine Hand frei. In der linken
hält er die ‚Namib Desert Map‘ – unsere Straßenkarte der
Namibwüste –, auf der er unsere Reiseetappe studiert.
Mit der rechten will er sich ausgerechnet zeitgleich mit
der ersten Bodenwelle einen Schluck aus seiner Cola-
Dose genehmigen. Mieses Timing. Dabei schwappt ihm
nämlich ein Schwung Coke ins Gesicht, direkt rauf in die
Nase. Er inhaliert das Zeug gleich noch, verschluckt sich

und bekommt einen sakrischen Hustenanfall. Jetzt bricht
das Chaos aus. Der Paul prustet und grunzt dazwischen
wie ein Schweinderl, der Sepp haut ihm kräftig auf den
Rücken, weil das ja bekanntlich hilft. Der Hans wühlt im
Handschuhfach nach Klopapier oder Feuchttüchern,
denn dem Paul tropft die Cola jetzt aus der Nase. Ich
steige unterdessen auf die Bremse und drossle die
Geschwindigkeit langsam, damit das narrische Gerüttel
um Himmels Willen aufhört. Aah, endlich wird der Wa-
gen leiser, der Paule ebenso. Die Ruhe tut gut.
Während auf der Rückbank eine spontane Reinigungs-
aktion von Mann und Wagen startet, experimentiere ich
mit der Geschwindigkeit, damit ich die finde, bei der man
das Wellblech am besten ertragen kann: ‚55 km/h‘ zeigt
der Tacho. Na, super, hoffentlich geht das nicht ewig so
weiter. Es geht ewig so weiter.

Aus: Nashorn Nirwana von Claudia du Plessis, Seite 55-56

 

Leseprobe 2

Sossusvlei & Big Mama

Gleich hinter dem Parkplatz liegt die große, weiße Ton-
fläche des Sossusvlei. Gleißend strahlt sie im Sonnenlicht.
Ringsherum nichts wie Dünen, eine besonders stattliche
thront auf der gegenüberliegenden Seite über dem Vlei.
Super, da wollen wir hinauf.
Wir schnappen uns die Sonnenbrillen, Käppis und
Wasserflaschen, dazu kommen drei Handys und mein
Kamerarucksack fürs Fotovergnügen. Auf geht’s, Jungs!
Zunächst marschieren wir an einigen Park- und Picknick-
plätzen vorbei. Stattliche Akazien mit korkigen, dicken
Borken spenden darunter angenehme Kühlung, was wir
allerdings erst so richtig bemerken, wie wir aus dem
Schatten in die pralle Sonne hinaustreten. Himmel, ist das
noch heiß. Und das, obwohl es schon später Nachmittag
ist. Unglaublich!
Hinein geht’s wieder in sandiges Terrain, vorbei an klei-
nen – zwei, drei Meter hohen – Hügelchen, die üppig
bewachsen sind mit strubbeligen, grünen Büschen. Wild
verzweigt sind die fein gerillten Äste, die mit zentimeter-
langen Dornen besetzt sind. Im Gewirr liegt unvermittelt
eine Art stachlige, grüne Melone – Handballgröße,
schätze ich mal.
„Nara-Pflanze“ schreit der Sepp von hinten, wie er
mich da stehen und überlegen sieht. „Ist in unserem Rei-
seführer abgebildet. Gehört zu den Kürbisgewächsen
und wird scheinbar von vielen Tieren in der Namib
gefuttert. Unser Gemsbock zum Beispiel liebt die Frucht,

weil sie super wasserreich ist. Zwergrennmäuse dagegen
fressen vor allem die Samen, die nussig schmecken sollen
und reich an Öl und Proteinen sind.“
Nach einer kurzen Pause fügt er hinzu: „Wir könnten
sie übrigens auch essen, die reifen Melonen und Samen“.
Aha.
Naja, kann man, muss man aber nicht, denke ich. Wir
gehen weiter. Plötzlich fällt mir auf, dass im Sand zwi-
schen den langen, dünnen Nara-Ästen winzige kleine
Fußabdrücke zu sehen sind. Kommen die etwa von die-
sen kleinen Nagern, die auf die Samen stehen? Ich starre
eine Zeitlang ins Strauchgewirr, kann aber nichts entde-
cken. Naja, wen wundert‘s. Die kleinen Viecher sind ja
auch nicht deppert. Die stellen sich doch nicht freiwillig
unter den Grill – in der Sonne hat’s sicher über 50 Grad
– oder holen sich mal so zum Spaß Blasen an den Pföt-
chen von den glühenden Sandkörnern. Wahrscheinlich
sind sie nachtaktiv. Wenn nicht, würde ich es ihnen drin-
gendst raten, denn anders geht’s doch bei diesen Tages-
temperaturen gar nicht, oder?
„Hey, Fritzi, wo bleibst denn, du Schnecke“, ruft der
Hans mir von der Weiten grinsend zu. Ich zieh eine
Fratze, zeig ihm den Mittelfinder und komme nach. 


Wir stehen am Fuß der Mega-Düne, die ‚Big Mama‘ heißt.
Passend, so finde ich. Ein paarMeter entfernt beginnt der
Dünenkamm, der sich unendlich lange – ich schätze
einen halben Kilometer – hinauf Richtung Norden zieht.

„Also Dünenkamm-Joggen muss nicht wieder sein,
oder“, werfe ich in die Runde, „hatten wir ja heute schon.
Wie wär‘s, wenn wir an der Basis der Düne weitermar-

schieren, und erst dort drüben zum höchsten Punkt
hochsteigen?“

Das Team nickt, Antrag einstimmig angenommen. Das
erste Stück läuft ausnehmend gut. Der Untergrund ist
relativ fest, kaum Steigung, ganz nach meinem
Geschmack. Danach legt sie los, die Big Mama, mit unse-
rem zweiten Trainingsprogramm des Tages. Zunächst
sorgt sie mit einem kleinen Anstieg fürs Aufwärmen – als
wäre uns noch nicht warm genug. Dann geht’s ans Ein-
gemachte. Der tiefe, lockere Sand lässt beim Steilanstieg
unseren Puls rasen, die Atemfrequenz in die Höhe
schnellen und unsere Kräfte flott dahinschwinden. Selbst
der Hans kommt ein bisserl ins Schwitzen, stelle ich mit
Genugtuung fest. Wortlos arbeiten wir uns Schritt für
Schritt hoch, immer weiter, bis wir schlussendlich auf Big
Mamas höchstem Punkt ankommen. Halleluja, wir haben
es geschafft!
Erschöpft lassen wir uns in den Sand plumpsen, leeren
gierig unsere Wasserflaschen und verschnaufen ein paar
Momente. Sodann werfen wir einen ersten, ausgiebigen
Blick in die Dünenlandschaft um uns herum und sind uns
augenblicklich einig: dieser gigantische Ausblick war die
verdammte Schufterei absolut wert. Jeden Schritt davon.
Weil, es fühlt sich an, wie wenn wir ‚On Top Of TheWorld‘
– also auf dem Gipfel der Welt – sitzen würden. Ohne
Schmarrn!
An dieses Panorama kommt wirklich nichts bisher
Dagewesenes heran, das müssen Sie mir einfach glauben.
Oder, noch besser, Sie überzeugen sich selbst mal davon.
360 Grad um uns herum nichts anderes wie weites, wil-
des, fantastisches Dünenmeer. Ein wunderbar geschwun-
genes Auf und Ab von Wellen aus Sand soweit das Auge
reicht. Und es sieht nicht nur so endlos weit aus, das ist
es tatsächlich. Weil bis zur Atlantikküste im Westen, so
berichtet uns der schlaue Sepp gerade, gibt es laut Karte
gute 50 Kilometer lang nur Dünensand. Nach Norden bis
Walvis Bay sind es glatte 180 Kilometer. Und Richtung
Süden bis Lüderitz erstreckt sich diese grandiose Dünen-
welt noch knapp 200 Kilometer. Wo gibt’s den sowas,
Leute, hmmmh?
Wie wir so dasitzen und staunen, setzt mein Fotogra-
fen-Kleinhirn plötzlich ein. Hier präsentiert sich nämlich
das bombastischste Wüstenpanorama-Foto, das ich
jemals in meinem Leben machen werde, da bin ich mir
sicher. Noch dazu knallen die Farben in den schönsten,
erdigen Orange-Tönen, und die Kontraste zwischen
Licht- und Schattenseiten der Dünen sind gegenwärtig –
kurz vor Sonnenuntergang – so perfekt, dass mein Herz
sich fast überschlägt. Also ran an die Kamera, den Finger
auf den Auslöser und rattattattatta! ...

Aus: Nashorn Nirwana von Claudia du Plessis, Seite 104-107

 

Leseprobe 3

Cape Cross Robbenkolonie

Wie wir am Holzsteg ankommen, der die Abgrenzung
zur Kolonie bildet, eröffnet sich uns ein gigantisches Bild:
auf dem sandigen, mit Felsbrocken durchsetzten schma-
len Küstenstreifen vor uns tummeln sich Unmengen
dieser fischliebenden Meeressäugetiere. Zig Tausende
müssen das sein. Laut Sepp, der uns später die Fakten
dazu liefert, leben in der Kolonie, die sich außerhalb
unserer Sichtweite noch weiter am Strand entlang
erstreckt, tatsächlich satte 80.000 bis 100.000 dieser Vie-
cher. Was Cape Cross zu einer der weltweit größten
Kolonien von südafrikanischen Seebären – wie sie genau
gesagt heißen – macht.
Dass sich diese einzigartigen Pelzträger hier ausgespro-
chen wohlfühlen, ist offensichtlich, nicht nur wegen der
Zahlen. Körper an Körper aalt sich die Mehrzahl ent-
spannt in der Sonne, wohl um sich nach einem Tauch-
gang im Meer wieder gebührlich aufzuwärmen, wie die
nassen Felle verraten. Ist den menschlichen Badeständen
nicht ganz unähnlich, fällt mir auf.
Der eine oder andere Seebär verbindet dies auch gleich
mit ein paar Yogaübungen, vor allem dem ‚heraufschauen-
den Hund‘. Für alle Yogalaien unter Ihnen heißt das: Flos-
sen gestreckt, Körper gen Himmel und Stupsnase zur
Sonne gerichtet. Nur nebenbei: das weiß ich von meiner
Schwester, die begeisterte Yogini ist – oder wie man das
nennt. Genießerisch halten die Entspannungssportler
dabei die Augen geschlossen, vielleicht zählen sie aber
auch nur konzentriert bis 30, bevor sie die Übung been-
den. Wer weiß.
Vor uns praktiziert einer gerade Fellpflege. Er schrubbt
seinen nassen Körper am Rand eines Felsbrockens, auf
dem er ausgestreckt liegt. Sein Felsen scheint allerdings
ein beliebter zu sein. Eine andere Robbe nämlich unter-
bricht sein Körperpeeling jäh, indem sie sich von hinten
an ihn heranwirft, ihn seitlich wegschubst und mit einem
kehlig-tiefen Gurgellaut, der deutlich unfreundlich klingt,
von seinem Sonnenplatz verjagt. Binnen Sekunden liegt
der Eroberer friedlich dreinschauend in dieser begehrten
Felsenkuhle, derweil der Loser davonzieht, um sich eine
andere zu suchen. Wie der so wegwatschelt, hat das
unbestritten etwas Clownhaftes. Mit den quer zum Kör-
per stehenden Vorderflossen bleibt den Robben wohl nur
dieser hin- und her schwankende Gang, den wir von den
Spaßmachern im Zirkus mit ihren übergroßen Schuhen
kennen. Zudem lässt ihr massiger Körper, der bei Männ-
chen fast zweieinhalb Meter messen kann, ihre Art sich
an Land fortzubewegen, generell etwas plump und müh-
sam aussehen.
Im Wasser dagegen ist das eine völlig andere Geschichte.
Das sieht man vorne an der Badefront, wo sich

zahlreiche Robben im Atlantik tummeln, wie wenn‘s 
ein Swimmingpool wäre. Ganz wie in den Dokumentar-

filmen erkennt man sogleich, wie schwerelos die sich im
kühlen Nass bewegen, wie agil und wendig. Und man
meint zu erspüren, wie viel Spaß die am Schwimmen und
Tauchen haben. Zumindest scheint es so, weil, im Wasser
sind sie hundertprozentig in ihrem Element.
Vor lauter Beobachten und Fotografieren – ich bin
natürlich schon lange am Knipsen – hab ich beinahe ver-
gessen, wie abartig es stinkt. Gott sei Dank oder ekelhaf-
terweise – je nachdem wie man‘s sehen will –, gewöhnt
man sich wohl mit der Zeit daran.
Was ich übrigens noch gar nicht erwähnt habe ist der
beachtliche Geräuschpegel in dieser Kolonie. Seebären
haben sich offenbar viel zu sagen, untereinander. Sie
scheinen unglaublich kommunikativ zu sein, wobei Rob-
bensprache in unterschiedlichsten ‚Mähhh‘-Lauten, Ton-
lagen und Lautstärken abläuft. Ich würde es ansatzweise
mit dem Blöken von Schafen vergleichen, damit Sie eine
ungefähre Idee davon bekommen. Allerdings doch
irgendwie anders, weshalb ich stark daran zweifle, dass
‚schafisch‘ und ‚robbisch‘ ähnlich genug sind, dass Schafe
und Robben eine tiefgreifende Unterhaltung führen
könnten.
Derweil einige dieser Viecher in meiner Nähe friedlich
dösen, schau ich mir ihre Gesichter genauer an. Sie haben
was Freundliches und Anmutiges an sich, muss ich sagen.
Mit ihren stupsigen schwarzen Nasen, dunklen Knopfau-
gen, kleinen Öhrchen und zahlreichen Schnurrbarthaaren
erinnern sie mich an Hunde. Tatsächlich sind sie wohl
entferntest mit Hunden verwandt – so informiert uns der
Paule später aus unserem Tierführer –, aber ich ver-
schone Sie lieber mal mit den wissenschaftlichen Details.
Ihr putziges Aussehen sollte einen andererseits nicht ver-
gessen lassen, dass wir es mit Karnivoren – also Raubtie-
ren – zu tun haben. Glücklicherweise sind sie auf Fische
spezialisiert.

Aus: Nashorn Nirwana von Claudia du Plessis, Seite 168-171

 

Leseprobe 4

Erste Kilometer in Etoscha

Wir sind noch keine fünf Minuten unterwegs, da müssen
wir erneut stoppen. Viecherbedingt diesmal. Gleich am
Straßenrand nämlich steht unsere erste wilde Giraffe, völ-
lig entspannt allerdings. In aller Ruhe pflückt sie, dank
ihres meterlangen Halses, aus der Krone eines stattlichen
Baumes mit ihrer blauschwarzen, recht langen Zunge
junge Blätter und schiebt sie sich genüsslich in ihr Maul.
„Habt’s ihr gesehen, wie die mit ihrer Zunge die Blätter
greift?“, frag ich meine Kumpels laut. „Wahnsinn, oder?“
Die anderen nicken zustimmend. Jetzt erst entdecken
wir mehrere andere Giraffen ringsherum. Unglaublich,
dass man diese grazilen Riesen trotz ihrer Größe – sie
können bis zu sechs Meter hoch werden – so einfach
übersehen kann. Dieses braun-ockerfarbene und großfle-
ckige Muster ihres Felles ist offensichtlich eine ausge-
sprochen gute Tarnung in der Savannenlandschaft. Eine
ganze Weile beobachten wir diese pflanzenfressenden
Giganten, die eine unglaubliche Ruhe und Grazie aus-
strahlen. Da stakst eine von ihnen auf die Straße, bleibt
vor uns stehen, beäugt uns einen Moment lang und stol-
ziert sogleich von dannen.
„Unglaublich, wie riesig die ist, was?“, frage ich meine
Safaricrew und mutmaße weiter zum Sepp: „Du könntest
ihr wahrscheinlich problemlos mit deinem Smart zwi-
schen den Beinen und unterm Bauch durchfahren, ohne
dass du sie berührst.“ Hammer.
Weiter kutschieren wir, allerdings nur ein paar hundert
Meter. Zebra-Stopp. Mitten auf der Fahrbahn steht eine
Herde und schert sich keinen Deut um uns. Neugierig
beäugen uns sogar einige mit ihren hübschen, schwarzen
Augen, die von dichtenWimpern umrahmt sind. Beunru-
higt sind auch die in keinster Weise. Schön.
Unruhe in die Gruppenidylle bringt dann allerdings ein
Wagen, der sich an uns vorbeidrängelt und langsam auf
die Zebras zufährt. Die setzen sich gemächlich in Bewe-
gung, drehen uns ihre dicken Hintern her und stapfen
eine Zeitlang auf der Straße dahin, bevor sie seitlich abzie-
hen und hinter Sträuchern verschwinden. 

Flott voran kommt man hier nicht wirklich, bei dem Wildwechsel. In einiger Distanz erkennen wir nämlich bereits wieder Vierbeiner auf der Fahrbahn, allerdings

sind die deutlich weniger entspannt wie unsere Streifen-
pyjamas von eben. Wie wir näherkommen, galoppieren
die gleich hinüber ins Gras, bleiben in sicherer Entfer-
nung stehen und beäugen uns aufmerksam.
Bei der Titelvergabe ‚Etoschas bestaussehendstes Huftier‘
würde dieser braun-graue Kandidat allerdings deutlich
schlechter abschneiden wie Zebra und Giraffe. Ich
möchte sogar wetten, dass er es noch nicht einmal in die
‚Top Ten‘ schaffen würde, auch wenn ich die restlichen
acht Mitstreiter noch gar nicht zu Gesicht bekommen
habe.
Vor allem der Kopf ist komisch, gänzlich unfotogen.
Wo beim Zebra beeindruckende, schwarze Augen liegen,
ist in diesem Gesicht an dieser Stelle … nichts. Wenn
man weiter sucht, findet man seitlich drüber halb so
große orange Augen, die – wie gesagt – gänzlich falsch
platziert wirken. Ziemlich gleich daneben stecken
schmale, mit feinem, hellem Fell ausgekleidete Ohren.
Die sind irgendwie das Schnuckeligste an dem ganzen
Tier. Darüber sitzen zwei kräftige Hörner, die – wie mein
Fahrradlenker daheim – erst waagrecht nach außen zei-
gen und sich danach mittels einer geschmeidigen Run-
dung nach oben innen drehen. Zwischen den Augen bis
runter zur Schnauze dominiert ein langes, nein, ein sehr
langes schwarzes Nasenbein, oder so würde ich diese
breite Gesichtsmitte gemäß der Erinnerungsfetzen aus
meinem Biologie-Unterricht bezeichnen. Unterm Hals
hängt ziemlich zotteliges, langes Haar, auch rückseitig am
Nacken ist eine dünne Mähne zu erkennen. Aus dem
kräftigen Körper, der zum Hintern hin etwas abfällt, ste-
cken vier dünne Beine raus und am Popo hängt ein dün-
ner, schwarzer Schwanz. Ein seltsames Wesen, finde ich.
Aber gut, jedes Geschöpf kann halt nicht die Beauty-
Queen sein und beim Schönheitswettbewerb oben auf
dem Treppchen stehen. Ist bei uns Menschen ja auch
nicht anders, gell. Vielleicht haben Sie’s inzwischen schon
erraten. Es geht um ein Gnu, genauer gesagt ein Streifen-
gnu, wie es der Paul nach einem Blick in die Fotogalerie
der Etoschatiere verkündet. ...

Aus: Nashorn Nirwana von Claudia du Plessis, Seite 209-211

 

Leseprobe 5

Auf Pirschfahrt

Die Straße führt durch dichte Baumsavanne, weshalb
der Sepp, trotz seiner Rennfahrer-Ambitionen, vorbild-
lich langsam fährt. Respekt. Das ist zum einen clever, weil
wir so größere Chancen haben, etwas, was nur knapp
abseits im Gebüsch steht, auch zu entdecken. Zum ande-
ren beugt es vor, ein Viech umzufahren, das nach einer
Kurve unverhofft auf der Fahrbahn steht.
Grad sag ich‘s, da haben wir auch bereits so einen Fall.
Nach einem Linksschwenker der Piste steht plötzlich eine
komplette Herde braunfelliger Antilopen vor uns, denen
wir bisher noch gar nicht begegnet sind. Wow! Also die
kommen mit Sicherheit aufs Treppchen beim Schön-
heitswettbewerb, gar keine Frage. Ihre riesigen schwar-
zen, stark bewimperten Augen und ein breiter, schwarzer
Streifen von der Nase aufwärts verleiht den schlanken,
grazil anmutenden Huftieren eine ganz besondere Ele-
ganz. Und übrigens auch den Namen: Schwarznasenim-
pala. Ach, halt, die Ohren hätte ich fast vergessen, die
sind ebenfalls unglaublich hübsch. Breite Lauscher sind
das, mit schwarz-weiß-braunen Härchen, die unglaublich
weich aussehen.
Hmmm, mir fällt gerade auf, dass ich scheinbar auf
Tierohren stehe. Haben Sie auch bereits gedacht, was?
Schon seltsam, muss ich zugeben. Egal.
Im Übrigen sind besagte Grazien unglaublich zahm. Sie
lassen sich keineswegs stören, hängen weiterhin auf der
Straße rum und blockieren ungeniert den Verkehr. Hinter
uns warten nämlich bereits zwei weitereWägen. Ein klein
bisserl antreiben will der Sepp die Vierbeiner also und
fährt daher langsam in die Herde hinein. Völlig entspannt
weichen die am nächsten stehenden Tiere unserem Safa-
rimobil aus, spazieren ein paar Schritte zur Seite und blei-
ben einfach wieder stehen. Gechillter geht’s fast nicht.
Weil das Koffein inzwischen mein Oberstübchen
erreicht hat, bin ich diesmal schon fleißig am Fotografie-
ren, nutze den tierischen Mangel an Scheu völlig unver-

froren aus und schieße fantastische Großaufnahmen von
diesen bilderbuchhaften Gesichtern. Mein Stimmungs-

barometer steigt mit jedem Drücker auf den Auslöser und
wie wir schließlich weiterfahren, bin ich bei allerbester
Laune.
Kurz darauf erreichen wir Olifantsbad. Ein Olifant hält
derzeit die Stellung, vielleicht nehmen die den Namen ja
etwas ernster wie die Gemsböcke und arbeiten im
Schichtwechsel. Auf ein Bad hat er scheint’s keine Lust,
wahrscheinlich ist’s noch nicht heiß genug. Dafür ist er
bereits durstig und sprüht sich Rüsselladungen voll grü-
nem Tümpelwasser genüsslich in sein Maul. ... 

... Derweil wir noch vor uns hingrübeln, düst plötzlich ein
Schwein an unserem Wagen vorbei. Ein Warzenschwein,
genauer gesagt.
„Denen pressiert’s wohl immer,… fast genau wie mir“,
kommentiert der Sepp amüsiert den jüngsten Akteur am
Set, der bereits am Wasserloch angekommen ist – übri-
gens genau gegenüber vom Ellie.
Dort knickt er nun mit den Vorderbeinen ein und
genehmigt sich auf den Knien, weil er eben nur so das
Wasser erreicht, seinen morgendlichen Buschkaffee, naja,
der Farbe nach eher Mate-Tee. Nachdem scheinbar auch
bei der Sauferei für Wildschweine die Stoppuhr tickt,
springt der Eber – wie wir aus der Hinteransicht erkannt
haben – kurz später schon wieder auf und flitzt rüber zum
Schlammloch, ein paar Meter entfernt. Mitten rein in den
braunen, nassen Dreck legt er sich da, rutscht dabei mit
dem Bauch vor und zurück, dann geht’s seitlich weiter,
bis der ganze Körper gänzlich eingesaut ist. Auf springt
der Kerl nun und saust zu einem hölzernen Stumpen,
einem Ex-Baum, der im Morgenlicht glänzt. Aha, die
Bürste- und Massagestation, so erkennen wir, wie er sich
dran rubbelt und reibt. Schließlich ist’s vorbei mit der
schweinischen Morgentoilette und der Keiler zischt
eilends ab in die Weite der Savanne.

Aus: Nashorn Nirwana von Claudia du Plessis, Seite 266-269

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Na, wie schaut'S aus? Hat's Reinlesen Spaß gemacht? Ja?
Wenn dem so ist, dann dürfen Sie sich gerne Ihr eigenes NASHORN NIRWANA - sei es Taschenbuch oder eBook - besorgen. Jederzeit über Ihre Lieblings-Buchhandlung, aber sehr gerne auch direkt hier zur Bestellseite:
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Bis dahin, herzliche Grüße und viel (Lese-)Vergnügen!